Donnerstag, 28. April 2005
Sonnenfleck als Anfang-Franz Alt hält in Bürstadt ein Plädoyer für Solarenergie |
Ausgerechnet an jenem denkwürdigen 26. April, an dem sich 19 Jahre zuvor die Tschernobyl-Katastrophe ereignet hatte, hielt Franz Alt vor dem Bürstädter Publikum seinen Vortrag über erneuerbare Energien, allen voran die Sonnenenergie. "Tschernobyl hat mich aufgeweckt", betonte der Journalist rückblickend auf das Vertrauen, das er vor dem Unglück in die Atomenergie gesetzt habe. Was wir Deutschen bislang aus Tschernobyl gelernt hätten, beantwortete Alt mit der immerhin auf zehn Prozent angestiegenen Nutzung erneuerbarer Energien. Aber er betonte, dass es noch vieler Solarmodule mehr bedürfe: "Der Sonnenfleck in Bürstadt beispielsweise ist nur der Anfang, ein Großteil der Bürstädter Dächer hat ja noch keine Solarzellen."
Gründe für erneuerbare Energien oder vielmehr gegen Atomenergie wusste Alt genügend aufzuzählen: Erstens könne man keiner Energie Vertrauen schenken, die nicht absolut sicher sei. So bliebe bei der Kernkraft immer ein "atomares Restrisiko" bestehen. Außerdem sei ihm nicht bekannt, dass man schon ein Endlager für den ganzen Atommüll gefunden habe. "Ein Atomkraftwerk ist überdies eine Einladung für Terroristen", zog Alt seine Konsequenzen aus den Terroranschlägen auf das amerikanische World Trade Center. "Kein Mensch würde ein Solardach angreifen, damit kann man keine Menschen töten", sprach er sich noch deutlicher für die "friedliche Energie" aus. Und nicht zuletzt nannte er auch eine Vielzahl neuer Arbeitsplätze durch erneuerbare Energien als Argument etwa für Solar- oder Windenergie.
Aufmerksam machte der Buchautor auch auf die Begrenzung des Urans, das zur Gewinnung von Atomenergie gebraucht werde: "Das Uran hält vielleicht noch 50 Jahre, die Sonne aber hält ewig", machte er deutlich.
Der Preis für erneuerbare Energien, der ja angeblich so hoch sei, ist für Alt kein stichhaltiges Argument: "Der Preis für erneuerbare Energien hat sich in den vergangenen Jahren halbiert, während der Ölpreis ständig ansteigt", entnahm er Statistiken. Außerdem zeigte Alt am Beispiel von Solarhäusern auf, dass Sonnenenergie lukrativ seien, da solche Häuser ein Vielfaches der Energie produzierten, die sie selbst verbrauchen könnten. Und für die überschüssige Energie bekämen die Hausbewohner dann jede Menge Geld. Richtig ärgern konnte sich der Journalist auch darüber, wie langsam die Deutschen ihre lange schon entwickelten Konzepte umsetzen. So etwa die Rußfilter für Diesel-Autos oder etwa die emissionsfreien Brennstoffzellen-Autos, die "vielleicht 2020" auf den Markt kämen. Alt sieht in den erneuerbaren Energien die Chance für die deutsche Wirtschaft: "Wir haben so viele Chancen, wir müssen sie nur noch nutzen", zeigte er wenig Verständnis für die bürokratischen Vorgehensweisen.
Es gehe darum, möglichst viele Menschen für die Solarenergie zu gewinnen, indem man ihnen die ganzen Vorteile aufzeige und vor allem den ästhetischen Aspekt der Solarzellen unterstreiche: "Solar muss schön sein, dann wollen es die Menschen auch", ist sich der Autor sicher.
Gegen Ende seines Vortrags stellte Alt auch einige seiner Bücher vor, unter anderem "Krieg um Öl oder Frieden durch Sonne", in dem er hauptsächlich wirtschaftliche und politische Hintergründe analysiert. Ethische und religiöse Aspekte behandelt er in "Der ökologische Jesus". In dem Buch will Alt bei seinen Lesern mehr Vertrauen in die Schöpfung wecken, und er sucht darin nach Bildern für erneuerbare Energien im Neuen Testament.
Wer wollte, konnte sich im Anschluss an den mehr als zweistündigen Vortrag ein Buch kaufen und gleich vom Autor signieren lassen. Bei der folgenden Diskussion stand der Journalist seinen Kritikern und Befürwortern Rede und Antwort. swe
© Südhessen Morgen - 28.04.2005
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