Ausflug nach Heidelberg: Was sich wirklich lohnt

Wer in Bürstadt wohnt, hat geographisch gesehen einen echten Vorteil: Heidelberg liegt praktisch vor der Haustür. Über die B38 oder mit der S-Bahn ab Mannheim sind es keine 30 Minuten bis in die Altstadt. Trotzdem fahren viele Bürstädter höchstens dann hin, wenn Besuch aus dem Norden kommt und eine Stadtführung fällig ist. Dabei lohnt sich ein gezielter Ausflug zu jeder Jahreszeit, auch ohne Reisegruppe im Schlepptau.

Schloss und Schlossberg: Pflicht, aber mit Plan

Das Heidelberger Schloss ist der offensichtliche Startpunkt, und das aus gutem Grund. Die Ruinenanlage aus dem 13. bis 17. Jahrhundert gehört zu den beeindruckendsten ihrer Art in Mitteleuropa. Wer nur die Außenmauern und den Schlossgarten sehen will, zahlt keinen Eintritt. Für den Innenhof, das Deutsche Apotheken-Museum und das große Fass im Keller werden 9 Euro fällig, für Kinder bis 18 Jahre ist der Eintritt frei.

Der entscheidende Tipp: nicht die Bergbahn nehmen, zumindest nicht bergauf. Der Fußweg vom Kornmarkt durch den Burgweg dauert etwa 15 Minuten und führt an der alten Schlossmauer entlang. Von oben bleibt dann die Bergbahn als bequeme Rückfahrt. Die Terrasse hinter dem Schlossgarten bietet den bekanntesten Blick auf die Altstadt und den Neckar, am frühen Morgen vor 10 Uhr noch ohne die großen Reisegruppen.

Philosophenweg statt Hauptstraße

Die Hauptstraße zieht sich über 1,6 Kilometer durch die Altstadt und ist die längste Fußgängerzone Deutschlands. Sehenswert, keine Frage. Wer aber Heidelberg jenseits von Souvenirladen und Studentenkuss-Regal erleben will, sollte den Philosophenweg auf der gegenüberliegenden Neckarseite einplanen.

Der Weg beginnt am Neuenheimer Feld, führt den Heiligenberg entlang und bietet auf rund zwei Kilometern immer wieder freie Sicht auf Altstadt und Schloss. Der Name leitet sich aus dem 19. Jahrhundert ab, als Professoren und Gelehrte der Universität dort spazieren gingen. Heute ist der Weg ruhig, gut befestigt und auch mit einfachen Straßenschuhen zu bewältigen. Im Frühling blühen dort Mandel- und Pfirsichbäume, weil das Mikroklima am Südhang vergleichsweise mild ist.

Orientierung und Planung

Heidelberg hat genug Substanz für einen ganzen Tag, aber auch für einen Halbtagsausflug, wenn man weiß, was man will. Wer sich vorab informieren möchte, findet beim Heidelberg Guide gut strukturierte Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Öffnungszeiten und aktuellen Veranstaltungen. Das hilft besonders dann, wenn man mit Kindern fährt und nicht vor verschlossenen Museumstüren stehen möchte.

Praktischer Hinweis zur Anreise: Die S-Bahn S3 verbindet Mannheim Hauptbahnhof mit Heidelberg in etwa 15 Minuten, vom Heidelberger Bahnhof sind es dann nochmals rund 15 Minuten Fußweg bis zur Alten Brücke. Wer mit dem Auto fährt, parkt am besten im Parkhaus am Bismarckplatz oder am Parkhaus Alte Brücke und läuft von dort in die Altstadt. Das Stadtgebiet rund um Marktplatz und Heiliggeistkirche ist weitgehend autofrei.

Was außer dem Schloss noch zählt

Drei Orte, die über das Standardprogramm hinausgehen:

  • Kurpfälzisches Museum am Hauptplatz: Stadtgeschichte von der Römerzeit bis zum 20. Jahrhundert, gut aufbereitet, Eintritt 3 Euro regulär. Der Riemenschneider-Altar im Erdgeschoss ist ein Originalwerk aus dem frühen 16. Jahrhundert.
  • Karlstor am östlichen Ende der Altstadt: Das am besten erhaltene der vier mittelalterlichen Stadttore, kaum besucht, aber architektonisch markant. Daneben führt ein kurzer Weg direkt an den Neckar.
  • Thingstätte auf dem Heiligenberg: Ein Freilufttheater aus dem Jahr 1935 mit über 8000 Sitzplätzen, das zu Fuß vom Philosophenweg erreichbar ist. Die Geschichte des Ortes ist ambivalent, der Ausblick über das Rheintal ist außergewöhnlich.

Essen und Pausen: Konkret statt vage

Die Gaststätten direkt am Marktplatz und entlang der Hauptstraße sind touristisch und entsprechend kalkuliert. Wer günstiger und ruhiger essen will, geht in die Steingasse oder in das Neuenheimer Viertel auf der anderen Neckarseite. Dort finden sich kleinere Lokale mit eher studentischer Kundschaft und realistischen Preisen.

Der Marktplatz selbst eignet sich gut für eine Pause mit Blick auf Rathaus und Heiliggeistkirche. Am Brunnen in der Mitte versammeln sich tagsüber Einheimische wie Besucher. Wer die Kirche betritt, findet einen schlichten gotischen Innenraum, der nach dem Dreißigjährigen Krieg zwischen Protestanten und Katholiken aufgeteilt war, eine Trennwand trennte beide Gemeinden bis 1936.

Wann der Ausflug besonders lohnt

Heidelberg ist das ganze Jahr über besuchenswert, aber die Besucherströme schwanken erheblich. Juli und August bringen die höchsten Zahlen, an Wochenenden stehen dann teils Hunderte Menschen für die Bergbahn an. Wer Ruhe bevorzugt, fährt unter der Woche oder im März, Oktober und November. Der Schlossgarten zeigt sich im Frühherbst besonders schön, wenn das Laub sich verfärbt und die Reisebusse seltener werden.

Für Familien mit Kindern empfiehlt sich ein Blick auf das Heidelberger Zoogelände am Neckarufer, keine 500 Meter vom Bismarckplatz entfernt. Mit rund 130 Tierarten und naturnahen Gehegen ist er für einen Halbtag gut geeignet, der Eintritt liegt bei 16 Euro für Erwachsene, Kinder unter 4 Jahren frei.

Von Bürstadt aus ist Heidelberg nah genug, um spontan zu fahren, und reich genug, um mehrfach wiederzukommen. Man muss nicht alles an einem Tag mitnehmen.

Michael Hoffmann

Redakteur

Michael Hoffmann berichtet seit über 20 Jahren über die Kommunalpolitik und das Stadtleben in Bürstadt und der Bergstraße-Region. Als erfahrener Lokalredakteur kennt er die Stadt, ihre Menschen und ihre Geschichte wie kein anderer.